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Hilfe bei Depressionen: Was kann Kunst bei der psychischen Krankheit bewirken?

Es ist ein für ein sehr persönliches Thema, ein Thema, das mir am Herzen liegt, denn auch ich bin betroffen. Und es gibt viele, viele andere Betroffene. Unter der psychischen Krankheit „Depression“ leidet mittlerweile jede vierte Frau und jeder achte Mann laut Statistiken[1], wobei die Dunkelziffer wohl höher und ungewiss bleibt. Immer wieder wird die Krankheit somit als Volkskrankheit bezeichnet und gehört zu den am meisten unterschätzten Krankheiten unserer Gesellschaft. Doch langsam beginnt sich die Forschung hier weiterzuentwickeln, immer mehr Zusammenhänge werden erkannt. Doch es bleiben viele Fragen, wann diese geklärt werden können, bleibt offen.

Dies ist keine wissenschaftliche Analyse, nur ein Text zur Beleuchtung von Kunst als Ergänzung zur Behandlung einer Depression. Diese Möglichkeit besteht, geht manchmal nur unter. Ob Kunst letztlich wirklich helfen kann und als ergänzender Therapieansatz verfolgt wird, liegt immer im eigenen Ermessen bzw. im Ermessen des behandelten Arztes. Doch es kann einen Anreiz geben, etwas Anderes und Zusätzliches zu versuchen. Kunst kann auf die Symptomatik einwirken und diese und die Lebensqualität verbessern.

Krankheit „Depression“

Depressionen gehören heute zum Krankheitsbild unserer Gesellschaft, dabei ist die Depression wahrscheinlich keine neue Krankheit, doch durch die angegangene Aufklärung und die Änderungen von Gesellschaftsstrukturen heute sichtbarer. Wahrscheinlich knüpft die Depression auch an unsere zeitgenössischen Lebensverhältnisse. Sie können tatsächlich jeden treffen. In vergangenen Zeiten waren die Prioritäten, die Lebensmodelle du die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen anders ausgeprägt, um psychische Krankheiten konkret wahrzunehmen, zu unterscheiden und zu analysieren.

Eine Depression ist eine psychische Krankheit, die unbehandelt auch verheerende Folgen haben kann. Suizid ist keine Seltenheit. Und sie geht unbehandelt nicht einfach wieder weg wie ein Stimmungstief, sie bleibt, sie lähmt, sie umgibt den Betroffenen, sie ist verbunden mit vielen negativen Symptomen und sie kann einen umbringen.

Zurückzuführen auf eine einzige Ursache oder einen einzigen Auslöser, ist bei der Depression fast nicht möglich. Sie ist weit komplexer als beispielsweise ein gebrochenes Bein.

Es ist eine dunkle Krankheit, die meist unterschätzte Krankheit, die sowohl körperlich als auch psychisch belastet und verschiedene auftretende Indikatoren haben kann. Die Stiftung der Deutschen Depressionshilfe beschreibt die Depression wie eine zweiseitige Medaille, es gibt psychosoziale und neurobiologische Ursachen: Die beiden Bereiche – psychosozial und neurobiologisch – schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr. Das bedeutet, dass eine Depression nichtentwederkörperliche (neurobiologische) oderpsychosoziale Ursachen hat, sondern vielmehr immer auf beiden Seiten nach Ursachen gesucht und therapeutisch interveniert werden kann.“[2]

Es werden drei Grade unterschieden, leicht, mittelschwer und schwer. Die Forschung geht davon aus, dass sie sowohl genetisch veranlagt sein kann, chemische Prozesse im Körper, die aus der Balance geraten sind, oder auch seelische Gründe haben kann, oft fallen aber mehrere Gründe zusammen, ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Ursachen sind immer individuell zu betrachten und können mannigfaltig sein. Auch wie sich die Krankheit bei jedem Betroffenen äußert, ist immer individuell zu sehen und so muss auch die Behandlungsform sein. Nicht alles schlägt gleichwertig bei jedem an. Die Symptome reichen von Müdigkeit, übermäßigem Schwitzen, Bauchschmerzen und Schlaflosigkeit über Melancholie, Aggressivität bis hin zum völligen Gelähmtsein und Nicht-mehr-weiter-leben-wollen. Wie auch Ursachen und Behandlungsformen äußert sich die Krankheit in einer Vielzahl an möglichen Erscheinungen, oft ist es auch eine Kombination aus verschiedenen Symptomen.

All diese Fakten machen die Krankheit nicht leicht greifbar, erkennbar und deutlich wie beispielsweise eine offene Wunde, Zahnschmerzen oder eine Erkältung. Daher ist der Prozess des Erkennens, des Verstehens und Behandelns auch so komplex und schwierig. So ist die Depression immer noch, obwohl sie so häufig verbreitet ist, stigmatisiert und wird oft als Schwäche angesehen, als Kleinigkeit, was zu weiteren Schwierigkeiten der Betroffenen führt. Es ist der sogenannte Rattenschwanz. Unverständnis und unvollständiges Wissen treffen auf die Betrofenen.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei Depressionen gibt es mittlerweile einige Dinge, die kurzzeitig oder langfristig helfen können. In der Regel aber verbindet ein jeder die Krankheit, und ja es ist eine Krankheit, mit Medikamenten, Antidepressiva. Das ist die gängige Vorgehensweise, Standardtherapie könnte es genannt werden. Denn Antidepressiva können recht schnell Hilfe leisten und den Betroffenen erst einmal wieder zum Leben erwecken. Sie wirken stimmungsaufhellend und beruhigend. Doch bei den Medikamenten gibt es auch deutliche Nachteile, nicht jeder schlägt gleich und sofort an, oder verträgt nicht jedes Produkt, zudem gibt es Nebenwirkungen, die nicht unterschätzt werden sollten.

In einem weiteren Schritt bzw. Prozess wird meist noch eine Psychotherapie nahegelegt, in Kombination mit den Psychopharmaka. Sie kann aber auch alleinstehend verschrieben werden. Der Arzt muss bei jedem Patienten abwägen, was hilfreich sein kann oder was von Nöten ist. Jeder Betroffene hat andere Bedürfnisse, reagiert und nimmt anders wahr.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Dennoch gibt es sicherlich noch weitere Wege und Methoden, Alternativen, die helfen können. Wie bereits erwähnt sollte das auch immer individuell und nach Stärkegrad der Depression bzw. Bedürfnis des Patienten betrachtet werden. Bei einigen Alternativen steht die Forschung noch am Anfang und die Wirksamkeit ist abschließend nicht geklärt.

Es gibt verschiedene Methoden und Alternativen, die unterstützend zu Psychopharmaka und Psychotherapie eingesetzt werden können, zahlreiche Methoden, denen nachgesagt wird, dass sie den Betroffenen helfen. Sport und Zeit in der Natur stehen dabei ganz oben auf der Liste der empfohlenen Behandlungsmethoden. Sich etwas Gutes tun, mit Menschen interagieren und sprechen. Doch nicht jeder kann das in einer akuten depressiven Episode. Nicht jeder kann raus gehen, manchmal ist Gesellschaft auch kontraproduktiv und erhöht den Druck. Dinge, die der Betroffene allein für sich machen kann, mit denen er sich ausdrücken kann und seiner Umwelt mitteilen, können helfen. So kann beispielsweise Kunst helfen. Dinge, die einem Individuum guttun, hängen so auch von der Depression und ihrer Auswirkungen und ihres Stadiums ab.

Kunst als Behandlungstherapie bei Depressionen

Es gibt beispielsweise die Kunsttherapie. Hier dürfen sich Betroffene mit künstlerischen Mitteln ausdrücken, ähnlich dem Niederschreiben von Gefühlen wie in einem Tagebuch oder Journal, können hier Empfindungen und seelische Verletzungen veranschaulicht, umgesetzt und verarbeitet werden, indem der Betroffene malt, zeichnet oder bildhauert. Diese Art der Therapie ermöglicht es, das Innere nach außen zu kehren und zeigen und die eigenen Emotionen, die eigene Sichtweise auf einen selbst und die Welt darzustellen und im nächsten Schritt auch daran zu arbeiten, zu reflektieren, zu sich selbst zu finden und ggf. zu heilen.

In Montreal, Kanada, verschreiben einige Ärzte ihren Patienten im Falle einer Depression einen Museumsbesuch. Die Ärztevereinigung Médecins francophones du Canada ging hierzu eine Kooperation mit dem Museum of Fine Arts ein, um die Verschreibungen von Museumsbesuchen zu gewährleisten. Die Besuche im Museum kosten dann keinen Eintritt. Diese Form der Therapie wird als Ergänzung zu traditionellen Therapieformen mit angeboten. Zurzeit befindet sich dieses außergewöhnliche Programm noch in der Testphase, an der 2.000 Ärzte teilnehmen.

Es wurde nachgewiesen, dass Kunst beruhigende, entspannende und belebende Wirkung habe. Die Wahrnehmung ästhetischer Kunstwerke wirkt besänftigend für das mentale Wohlsein, es werden positive Gefühle durch positive Informationen erzeugt, die das Gehirn verarbeitet. Hierzu gab es mehrere wissenschaftliche Belege. So kann das Schöne an der Kunst das sogenannte Glückshormon Serotonin, dessen Produktion bei einer Depression aus dem Gleichgewicht geraten ist, nachweislich steigern.

Studien bewiesen bisher, dass Museumsbesuche den Stresspegel deutlich verringern können, dabei wird das Stresshormon Cortisol schon nach einem Besuch eines Museums von 45 Minuten gesenkt. Schöne Kunst habe demnach den Verliebtheitseffekt. Allgemein ist bekannt, dass schöne Dinge, schöne Wahrnehmungen angenehme Effekte auch auf die Psyche haben, auch Kunst. In der Forschung gibt es Studien zum Zusammenhang von psychischen Krankheiten und Kreativität. Kreativität kann das seelische Wohlbefinden beeinflussen, es besteht eine Verbindung. Die Universität Westminster gab eine Studie heraus, die belegte, dass ein Museumsbesuch in der Mittagspause zu weniger Gestresstsein beiträgt. Diese Ergebnisse wurden dann auch auf die Depression und deren Behandlung übertragen.

In Großbritannien gibt es bereits eine Initiative für „soziale Verschreibungen“. Es sollen in Ergänzung zu den Medikamenten auch Veranstaltungen und Aktivitäten wie Tanzen oder Kunstkurse bei der Behandlung psychischer Krankheiten helfen. In Deutschland ist dies noch in den Kinderschuhen, aber immerhin gibt es Kunsttherapie oder Therapieeinrichtungen, die Kunst als Möglichkeit anbieten. Es wirkt unterstützend auch im Hinblick, nicht zu abhängig von Medikamenten zu werden, da sich eine Gesellschaft entwickelt hat, die allzu schnell und zu leicht zur Pille greift.

Die positive Wirkung von Kunst auf die Psyche ist nicht ganz neu. Bereits in den 1940er gab es ein Programm des Museum of Modern Art in New York für Kriegsveteranen. Ihnen sollte Kunst in einem Museum helfen, das Wohlbefinden zu steigern und ihr normales Leben besser zu gestalten.

Auch bei mir waren Museumsbesuche immer hilfreich, ich musste allerdings auch Medikamente und eine Therapie in Anspruch nehmen. Doch Kunst konnte meine Verfassung deutlich verbessern, ich wurde zunehmend entspannter. Zumindest für eine kurze Zeit. Es war eine Zeit des Durchatmens für mich, des Abschaltens, die Krankheit und alle ihre negativen Erscheinungen waren in diesen kurzen Momenten vergessen. Eine kleine Auszeit von der Realität.

Kurzes eigenes Fazit aus den Erkenntnissen

Ein Patentrezept oder die Alles-heilende-Therapie gibt es in der Depressionstherapie nicht. Jeder Mensch ist anders, jeder benötigt andere Hilfsmittel, jeder ist individuell zu sehen. Kurzum: jeder benötigt eine auf sich individuell abgestimmte Therapie. Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sind im Grunde unumgänglich.

Dennoch müssen es nicht immer nur Medikamente sein und nicht nur Therapiesitzungen bei einem Psychotherapeuten. Selbs bei den Therapien gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten der Behandlung und Methode, Gruppentherapie, Einzeltherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse usw.

Kombinationen aus all den Möglichkeiten zeigen gute Resultate. Kreative Ansätze können auch erfolgreich sein und sollten immer einmal in Erwägung gezogen werden. Alleinstehend könnte problematisch sein, aber auch dies sollte mit dem Arzt besprochen werden. Der Grad der Depression und die anhaltende Dauer der Krankheit sind hier entscheidend. Geht ein Betroffener nicht mehr aus dem Haus, weil er es einfach nicht kann, braucht es schnelle Hilfe, da hilft vielleicht wirklich am besten ein Medikament. Ein Museumsbesuch erreicht dann nicht das Ziel, da der Betroffene es nicht dorthin schafft. Die Faktoren sind natürlich wichtig zu betrachten.

Doch Kunst kann das Gefühl verbessern und durchatmen lassen. Es kann helfen, wenn man schon einmal auf dem Weg ist, die Krankheit zu kontrollieren.

Kunst ist etwas Schönes, etwas Positives, etwas, das die Wahrnehmung stimuliert und Entspannung erzeugen kann, sofern der Betrachter sich darauf einlässt. So ist es verständlich, dass Kunst auch depressiv kranke Menschen positiv beeinflussen kann. Die Anspannung kann so gelöst werden. Und warum nicht auch Museumsbesuche als Ergänzung bei der Behandlung in Betracht ziehen? Zu verlieren gibt es hierbei nichts.

 

[1]https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/was-ist-eine-depression/haeufigkeit

[2]https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/ursachen-und-ausloeser