Elfie Semotan Martin Kippenberger – Das Floß der Medusa 1996 Silbergelatine auf Barytpapier Courtesy Galerie Gisela Capitain, Cologne

Martin Kippenberger – Kippi, der mit der Kippe, Künstler von innen und außen

„Ich will Einfluß nehmen, darauf, wie über diese Zeit debattiert wird.“[1]

Martin Kippenberger wurde als das „Infant terrible“ der Kunst des 20. Jahrhundert bekannt. Geboren 1953 in Dortmund, verstarb er schon 1977 in Wien an Leberkrebs. Er wurde Kippi genannt, Ben Becker veröffentlichte gar ein Lied zu Ehren des Künstlers, „Kippi bzw. Kippy-Song“. Kippenberger provozierte, er wurde „Protest-Künstler“ genannt, er forderte heraus, nicht nur mit seiner Kunst, sondern auch mit seinem Lebensstil, seinen Einstellungen und seinem Verhalten. Bekannt war er neben seinem umfangreichen Werk und seinen aussagestarken Arbeiten auch für seinen Alkoholkonsum, seine Zigarettensucht und seine frechen Reden. Maler, Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, Tausendsassa, der stetig rastlos wirkte. Er war ein Selbstpromoter, inszenierte sich gekonnt selbst. Doch war das nur eine Fassade? Versuchte er sich selbst zu schützen? War er wirklich, auch im Herzen, dieser Provokateur, oder war er sensibler als er sich gab? Oft sind diese Selbstinszenierungen und selbstgeschaffenen Künstlermythen nur Schutzwälle, errichtete Mauern, um der nicht immer einfachen und auch erschöpfenden Welt der Kunst entgegen zu treten.

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Paul Maheke Seeking after the fully grown dancer *deep within*

Das Museum als offenes System und durchlässiger Körper – „Transcorporealities“ im Museum Ludwig

Wie sieht das Museum von heute aus und wie könnte es sich in der Zukunft entwickeln? Eine wichtige Frage, die das Museum Ludwig mit all seinen verschiedenen Aspekten in Ausstellungsexperimenten und zeitgenössischen Konzepten in der Serie „Hier und jetzt“ beleuchtet. Die fünf Aufgaben des Museums – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln -, das Museum als Institution und das Programm werden hinterfragt, beleuchtet und neu aufgestellt. Die Konzeptreihe erfasst das Museum so als offene Struktur für experimentelle Formate und nicht nur als Ausstellungsgebäude. Der Raum, die Ideen, das Konzept sind hierbei nicht begrenzt und führen so den Museumsbesucher aus einer vertrauten Museumslandschaft hinaus in eine neue Museumswelt.

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Rembrandt Harmensz. van Rijn Selbstbildnis

Rembrandt im Wallraf-Richartz Museum – das graphische Werk mit Experiment, Wettstreit und Virtuosität

Rembrandt van Rjin gehörte seinerzeit bereits zu den Meistern der Malerei und auch noch heute gilt er als meisterhafter Künstler. Auch wenn er verarmt starb, sein Name überdauerte und ging in die Kunstgeschichte ein. Doch wird Rembrandt meist in Verbindung mit Malerei gesetzt, das umfangreiche graphische Werk des Künstlers scheint hingegen häufig im Hintergrund zu verschwinden. Doch auch hier zeigt sich sein feinsinniges Können und Talent Szenen und Sujets mit nur wenigen Strichen eindrücklich darzustellen. In seinem graphischen Werk inspiriert er und zeigt seine künstlerischen Fähigkeiten.

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Kunstverein Bonn

Maskulinitäten – eine feministische Ausstellung über die Männlichkeit

Was bedeutet Männlichkeit genau betrachtet? Was ist wirklich männlich, zumindest in der heutigen Zeit? Und warum spielt der Penis immer eine so zentrale Rolle in der Diskussion um die Männlichkeit, wenn es diese denn gibt?

Die Ausstellung „Maskulinitäten” ist eine Kooperation des Bonner Kunstvereins, des Kölnischen Kunstvereins und des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf und wird noch bis zum 24. November zu sehen sein. Diese drei Ausstellungen befassen sich mit den näheren Fragen zur Männlichkeit heute. Es sind künstlerische Betrachtungen unseres heutigen Gesellschaftsbildes. Dabei ist es nicht allein ein Ausstellungsprojekt, auch Veranstaltungen und Publikationen gehören dazu. „Gemeinsam wird der Frage nachgegangen, wie eine feministische Ausstellung über Männlichkeit aussehen könnte.”, heißt es in Ausstellungsinformation.

Maskulinitäten

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Claude Monet und sein Seerosengarten

Der Seerosengarten als Sinnbild des Schönen und Natürlichen. Hier liegt wahrnehmbar etwas Wunderbares in der Luft, vielleicht sogar Liebe. Allein das Wort „Seerose“ verspricht Sinnliches und etwas Begehrenswertes, als Synonym für etwa fantastisch Schönes, eine Nymphe aus der griechischen Sagenwelt vielleicht. Mit dem richtigen Lichteinfall entstehen Momente der Stille und Besinnlichkeit.

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Anja Niedringhaus
Amerikanische Marineinfanteristen führen eine Razzia im Haus eines irakischen Abgeordneten im Stadtteil Abu Ghraib durch; Bagdad, Irak, November 2004
Pigmentdruck auf Barytpapier
29,7 x 42 cm
Kunstpalast © picture alliance / AP Images

Die Porträts zweier mutiger Frauen in Zeiten des Aufruhrs – die Kriegsfotografinnen Lee Miller und Anja Niedringhaus

Kriege fordern Leid, Schmerz und Düsternis. Menschen bekämpfen sich mit physischer und psychischer Gewalt. Blut durchtränkt die Kriegs- und Krisengebiete. Fotografische Dokumente belegen die Gräuel. Kriegsfotografen begeben sich freiwillig zu den grausigen Schauplätzen und halten Leid, Trauer, Zerstörung in ihren fotografischen Berichterstattungen fest. Unter den Kriegsfotografen sind dabei nicht nur Männer, auch Frauen beweisen den Mut und setzen hierbei ihr Leben auf Spiel. Einige unter ihnen bezahlten mit dem Leben.

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Nil Yalter, um 1988, Foto: Archiv der Künstlerin

„Nil Yalter – Exile is a hard job“ im Museum Ludwig Köln

Zeitgenössische Kunst kann gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge widerspiegeln, sie kann sich damit kritisch auf künstlerische Weise auseinandersetzen und den Blick darauf richten. Reflexionen über Kulturen, deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten gehören zum Verständnis der Kunst. So arbeitet die in Kairo geborene Nil Yalter mit den heutigen Lebensverhältnissen der Menschen in Zeichnungen, Fotografien und auch Videos und Performances.

 

ICH BIN EINE KÜNSTLERIN
ICH BIN EINE JÜDIN AUS SALONIKI / EINE MUSLIMA AUS BOSNIEN

ICH KOMME AUS DER TÜRKEI, AUS FRANKREICH

ICH BIN EINE MONGOLIN, EINE NOMADIN, EINE GASTARBEITERIN
IM EXIL

ICH BIN DIE BOTSCHAFT
ICH BIN

Nil Yalter [1]

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Selfie "Ich"

Nicht einfach nur Gesichter – das Porträt in der bildenden Kunst

„Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“,

besagt ein bekanntes Sprichwort. Diese Redensart manifestiert sich buchstäblich in der Gattung des Porträts. Denn erst durch das Betrachten wird das Porträt zum Bildnis, zur Reflexion, zur Präsentation von Etwas beispielsweise einem Menschen und seiner Persönlichkeit. Der Künstler, der das Bildnis schafft, ist zunächst ein Betrachter und entwickelt das Bild so, wie er die dargestellte Person, den dargestellten Gegenstand oder auch die dargestellte Landschaft, die er porträtiert, wahrnimmt und sieht. Wie sie in seinen Augen erscheint. Die Schönheit des Dargestellten und letztlich des Porträts ist eine Beurteilung, eine Beurteilung zunächst durch den Künstler, den Erschaffer des Porträts, und schließlich unterliegt die Beurteilung der Schönheit dann im Auge des Betrachters. 

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Ruth Marten, Armchair, Lips (Polstersessel, Lippen), 2011, Aquarell auf Druck des 19. Jahrhunderts, Sammlung Karsten Walprecht, Bedburg © 2018 Ruth Marten

Ruth Marten – „I don’t want to dream alone.“

Ruth Marten, Fountains & Alligators, #4 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 4), 2015, Tusche und Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten
Ruth Marten, Fountains & Alligators, #4 (Springbrunnen & Alligatoren, Nr. 4), 2015, Tusche und Aquarell auf Papier, Sammlung Gail Skoff, Berkeley, Kalifornien © 2018 Ruth Marten

Kleine, fein ausgearbeitete und zarte Collagen. Diese lässt Ruth Marten durch Übermalen, Erweitern und Kolorieren entstehen. Dabei wirken sie leicht und einnehmend. Die erste Retrospektive „Dreamlover“ der 70jährigen amerikanischen Künstlerin Ruth Marten im Max Ernst Museum in Brühl zeigt ihr umfangreiches Schaffen von Beginn bis heute, Collagen, Malerei und Skulptur. Zu sehen vom 14. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019.

„Wir leben in einer stürmischen Collage, die sich ständig verändert.“

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Andreas Gefeller – The Backside of Light

Ausschnitte, abstrakte Versatzstücke, die sich manchmal noch erkennen lassen. Die Belichtung variiert, es gibt heller wirkende Kontraste, extreme Schärfe auf allen Ebenen. Wie Malerei wirkende Fotografien. Andreas Gefeller arbeitet mit ihm alles umfassenden fotografischen Mitteln, um eine neue und besondere Art der Fotografie zu generieren. Dabei sind die technischen Gegebenheiten der Kamera sein Instrument. Das Sichtbarmachen der Dinge, die uns gar nicht so bewusst sind oder die wir gar nicht in diesem Status wahrnehmen, ist das Ziel von Andreas Gefeller. Dabei spielt er mit den Grenzen zum Malerischen und Zeichnerischen. Oft fällt es uns schwer die Arbeiten als reine Fotografien zu enttarnen. Abstrakte Poesie könnte es auch genannt werden.

„Manchmal habe ich das Gefühl, die ganze Welt sei eine riesige Versuchsanordnung …“ [1]

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