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Claude Monet und sein Seerosengarten

Der Seerosengarten als Sinnbild des Schönen und Natürlichen. Hier liegt wahrnehmbar etwas Wunderbares in der Luft, vielleicht sogar Liebe. Allein das Wort „Seerose“ verspricht Sinnliches und etwas Begehrenswertes, als Synonym für etwa fantastisch Schönes, eine Nymphe aus der griechischen Sagenwelt vielleicht. Mit dem richtigen Lichteinfall entstehen Momente der Stille und Besinnlichkeit.

Auch seinerzeit geliebt wurde der Seerosengarten, derjenige in Giverny, der Normandie in Frankreich, von Claude Monet. Monet, der 1840 in Frankreich geboren wurde und zu den wichtigsten Impressionisten gehörte, schuf den Garten genau nach seinen Vorstellungen, die Farben und Formen der Blumen wohl ausgesucht. Es war sein liebstes und häufig genutztes Motiv, die Seerosen und der beschauliche Garten um sie herum.

„Außer fürs Malen und Gärtnern bin ich für nichts gut.“[1]

Claude Monets Seerosengarten in Giverny, Frankreich

Kein Motiv malte der Impressionist in so vielen Varianten. Riesige Leinwände, aber auch kleine Formate, füllte er mit den Seerosen und Motiven aus seinem Garten, Blumen, Weiden, Wasser oder Brücken. In den Bildern der Seerosen wurden der Beginn und der Weg in die Abstraktion langsam vorgezeichnet, die Entwicklung in der Kunst schritt voran, die Moderne begann. Der Garten, blühend, war Monets Kraft- und Inspirationsquelle. Er schöpfte aus dem Schönen und übersetzte es nicht minder schön auf die Leinwand.

Claude Monet – Seerosen

Monet arbeitete sich an dem Motiv ab, malte das Licht in all seiner Schönheit und seinem Glanz. Die Seerosen wurden mal dunkler, mal heller, mit verschiedenen Lichteinflüssen, zu unterschiedlichen Tagzeiten und aus jedem erdenklichen Winkel des Gartens von Monet auf die Leinwand gebannt. Dabei setzte er die reinen Farben schnell nebeneinander, um keine kostbare Sekunde, in der das Licht schon wieder verschwinden könnte, zu vergeuden.

Das Motiv an sich, empfand er es als noch so schön, war für Monet im Grunde Mittel zum Zweck, in dem er die Seerosen und den Garten malte, studierte er Lichtreflexe und Farbverhältnisse. Somit tritt der Gegenstand zugunsten von Farbe und Licht in den Hintergrund. Dies war Leitthema aller Impressionisten. Und Monet malte so, wie er es sah, in diesem jeweiligen Moment, zum jeweiligen Zeitpunkt des Lichts. Dennoch strahlt der Garten aus seinen Bildern hervor und bleibt ein starkes Motiv. Er wird lebendig und entwickelt eine eigene Qualität in Monets Bildern.

Der Garten besteht (und bestand) aus zwei Teilen, der erste und großzügige Teil, der Ziergarten, lag und liegt heute noch vor Monets altem Haus, im zweiten Teil ruht der Seerosenteich mit Brücken, einem Bachlauf und schattenspendenden Bäumen. Getrennt werden beide Teile heute von einer Straße unter der die Besucher hindurch gehen können um von Teil eins zu Teil zwei zu gelangen. Seinerzeit war die naheliegende Straße ein Staubaufwirbler und Monet ärgerte dieser Staub und Schmutz in der Luft regelmäßig, nahm er seinen Seerosen doch den Glanz. So ließ er die Seerosenblätter säubern, um sie anschließend malen zu können. Am Ende seines Lebens war Monet fast erblindet, dies machte ihm mehr Angst als der Tod an sich. Er konnte das Licht und die Schönheit seines Gartens nicht mehr sehen.

Claude Monet – Seerosen

1926 starb Claude Monet in Giverny. Das Anwesen und den Garten vermachte der Sohn Monets der Académie des Beaux Arts im Jahr 1966. Seit 1980 wird es von der Claude-Monet-Stiftung geleitet.

Auch heute gibt es den idyllischen Garten noch, gepflegt und gehegt, ist er zugänglich für jeden, der die Stimmungen Monets einmal nachempfinden und die gemalten Bilder lebendig erleben möchte. Beim Betreten des Gartens, fühlt sich der Besucher in Monets Zeit zurückversetzt. Doch auch wenn der Ort immer noch wunderschön und beschaulich ist, ist er doch kein Ort der Ruhe und keine stille Oase mehr, da zahlreiche Touristen zu ihm strömen, Tag für Tag. Dennoch kann hier die Schönheit immer noch bestaunt werden und jeder kann einmal sehen und fühlen, was Monet dort vielleicht vor langer Zeit gespürt und gesehen hat.

Heute ist der Garten, der für Claude Monet Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens war, immer noch lebendig und so werden auch die Gemälde des Gartens und der Seerosen lebendig. Sinnbild des Sinnlichen. Sinnbild des Moments. Sinnbild des Schönen und Natürlichen.

Claude Monets Seerosengarten in Giverny, Frankreich

 

[1] Claude Monet in: Knut Diers „In der Heimat der Seerosen“, Welt online, https://www.welt.de/print/die_welt/reise/article106262044/In-der-Heimat-der-Seerosen.html