Joan Mitchell – eine Malerin tritt aus dem Schatten der Männerwelt

Ein Portrait von Sabrina Tesch

Das Museum Ludwig in Köln würdigt das Werk der beeindruckenden Malerin Joan Mitchell mit einer Retrospektive vom 14. November 2015 bis zum 21. Februar 2016 – Joan Mitchell. Retrospective. Her Life and Paintings. Die Ausstellung zeigt  wenig bisher bekannte Werke mit Leihgaben  aus dem Centre Pompidou, dem MoMA und der Joan Mitchell Foundation. Auch das außergewöhnliche Leben Mitchells wird hier beleuchtet.

Zeitlebens trug die Künstlerin Joan Mitchell (1925 in Chicago geboren, 1992 in Paris gestorben) die braunen Haare schulterlang und mit Pony, ähnlich einer Prinz Eisenherz Frisur, ihre Brille rund und groß. So wirkte die Künstlerin immer schon intellektuell und selbstbewusst, was sie zu ihrer Zeit auch sein musste und wollte. Das steht aber nicht im Kontrast zu ihrem exzessiven Lebensstil, im Gegenteil, es passte zu ihrer Unabhängigkeit. Sie trank viel und rauchte, wie ihre männlichen Kollegen.

Joan Mitchell setzte sich durch

Die Kunstrichtung des Abstrakten Expressionismus verbindet man mit Künstlern wie Jackson Pollock oder Willem de Kooning. Männliche Künstler, denn nur wenige Frauen erlangten auch nur annähernd einen Bekanntheitsgrad oder konnten aus dem Schatten der von Männern beherrschten Kunstwelt New Yorks heraustreten. Joan Mitchell gehörte zu diesen wenigen bekannten Vertreterinnen.  „Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts, auch die Malerei des Abstrakten Expressionismus, wurden angeführt von Männern – doch Jackson Pollock und all die anderen konnten Joan Mitchell nicht stoppen.“, schreibt das Museum Ludwig in seiner Pressemitteilung.

Sie konnte sich in einer Zeit durchsetzen, in der Frauen in der Malerei nichts zu sagen hatten. Dabei ging es ihr aber nicht um Feminismus oder darum die Gesellschaft im Hinblick auf das Frauenbild zu verändern. Sie machte einfach das, was sie wollte, wozu sie Lust hatte. Auch ihr Erfolg war so von ihr nicht geplant, „Ich hatte es leichter, weil ich nie auch nur auf die Idee gekommen bin, mich mit den ganz Großen messen zu können – schließlich war ich eine Frau.“

Mitchells Vormarsch als Malerin

Joan Mitchell  kam aus wohlbehüteten Verhältnissen und wuchs in Chicago auf. Ihr Vater war Arzt und ihre Mutter gab eine Literaturzeitschrift heraus. Schon jetzt musste sie sich gegen einen Mann behaupten, ihren Vater. Er vertrat die Ansicht, er könne alles besser als sie, auch zeichnen, einfach deshalb, weil er ein Mann war. Im Verlauf ihres Lebens bewies sie ihm aber wohl das Gegenteil. Bereits früh, 1959, nahm sie an der documenta II in Kassel teil.

Mitchell studierte Kunst am Smith College in Northampton, am Art Institute of Chicago und an der Columbia University in New York. In New York fasste sie dann auch Fuß und gehörte so ab den 1950er Jahren durch ihre abstrakte Malweise zum inneren Kern der Kunstszene. Während ihres Studiums verbrachte sie einige Zeit durch ein Stipendium in Paris, das sie schnell liebte. So wechselte sie ab 1955 ständig zwischen New York und Frankreich, ab 1968 zog sie dann endgültig nach Frankreich. Nahe Paris in Vétheuil lebte sie mit ihrem Partner, dem kanadischen Maler Jean-Paul Riopelle.

Mitchells Malerei

Sie verstand es ihre Kompositionen ausgewogen und die Farben in einem lyrischen Zusammenspiel auf die Leinwand zu bringen. Trank sie während des Malens in der Nacht doch meist Scotch und hörte klassische Musik. Hinter jedem Bild steckt ein Gefühl, eine Erfahrung, eine Erinnerung, die sie versuchte poetisch in Malerei umzusetzen, was ihr gelang. „Poetische Bildsprache zwischen Emotion und Kalkül“. Vielleicht auch gerade wegen dem Alkoholkonsum.

So war die brünette Künstlerin keine brave angepasste Malerin, nein, vielmehr konnte sie in allen Dingen, sei es dem Malen oder Trinken, den Männern in ihrem Umfeld das Wasser reichen. Der Deutschlandfunk betitelte sie als „Die Frau unter den Wilden“.

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