Glenn Ligon – Wichtige Worte für die Kunst unserer Zeit

Gesellschaftskritische Kunst ist in diesen Zeiten bedeutend. Sie kann zu Veränderung und Reflexion beitragen. Immer noch sind Diskriminierungen von Minderheiten, Sexismus oder Rassismus zu vorherrschend. Dies ist heute besonders auffällig durch die Sozialen Medien. Kunst kann Signale setzen, Aufklärung betreiben, zum Nachdenken anregen. Subtil oder offensichtlich.

„There is an imagined thing called black culture. But culture is a construction. It is learned behavior, not innate. The black American experience is the American experience.“[1]

Der US-amerikanische Konzeptkünstler Glenn Ligon verbindet in seinen Arbeiten Texte mit Malerei und Fotografie. Seine Kunstwerke hinterfragen kritisch gesellschaftliche Zusammenhänge und Identitäten, auch wenn dies nicht immer sofort sichtbar wird.

 

Das Werk Glenn Ligons

Das Werk des amerikanischen Künstlers ist intellektuell und subtil provokativ. Zum Verständnis der Arbeiten ist eine Auseinandersetzung notwendig. Ligons Werk beschäftigt sich vornehmlich mit„Blackness“ bzw. der gesellschaftlichen Situation von Colored People. Themen sind immer wieder Sprache, Hautfarbe und Rassismus. Eines seiner wichtigsten Themen jedoch ist die Frage nach homosexueller, schwarzer Identität. Seine Kunstwerke haben also immer eine tiefer gehende Bedeutung, die politisch und sozial geprägt ist.

1988 vollzog Ligon einen Bruch in seinem Schaffen. Bis dahin malte er abstrakt. Das Bild „Untitled (I am a Man)symbolisiert diesen Bruch, denn hier nutzte erstmals Buchstaben.

Künstlerische Zitate

In seinem Werk nimmt Ligon oft Textfragmente aus Schriften, Manifesten und Reden. Diese setzt er in seinen Werken um, zitiert dabei beispielsweise Zora Neale Hurston, Jesse Jackson oder Richard Pryor. Die Textbilder, mit denen sich Ligon ab 1990 beschäftigte, setzte er aus Buchstabenschablonen und Kohlegranulat zusammen. So entstanden Texte auf monochromen Untergrund.

„Schwarz sein“ und James Baldwin

Ligon untersucht in seinen Arbeiten im Hinblick auf das „Schwarz sein“ in unserer Gesellschaft verschiedene kulturelle Stereotype. Dabei bedient er sich an den Ikonen der amerikanischen Kunst wie Jasper Johns’s Bildern oder Robert Mapplethorpes Aktfotografien.

„Literature has been a treacherous site for black Americans because literary production has been so tied with the project of proving our humanity through the act of writing.“[2]

Der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin beschäftigt sich in seinen Büchern, Geschichten und Essays mit der Identität und der Ausgrenzung Schwarzer in Amerika. Er setzt sich mit der Frage nach der Sexualität und dessen Entwicklung auseinander. Besonders findet Homosexualität als Thema Eingang in seine Geschichten. So ist Baldwins Themenrepertoire dem Ligons ähnlich. Und so macht sich der Künstler einige Textstellen aus dem gleichnamigen Text des Autors in der Bildserie „Untitled (Stranger in the Village)“ von 1999/2000 zu nutze und transportiert sie in seine Kunstwerke.

„Race is not something inherent to one’s being: One does feel more or less colored, depending on the situation.“[3]

Es ist die Poetik der Wörter, die die Themen und inhaltlichen Bezüge transportieren und die Dramatik und Brisanz unterstreichen. Die Fragen der Identität sind verknüpft mit Kriterien wie Herkunft, Klasse, Geschlecht. Und die kulturelle Prägung entscheidet über die Entwicklung des Menschen. Daher ist der Ausgangspunkt von Glenn Ligons Arbeiten dabei seine eigene Identität als schwarzer Künstler in den USA.

 

Abschließender Kommentar:

Glenn Ligon führt neben seiner künstlerischen Arbeit einen Instagram Account. Instagram. Es ist das Soziale Medium zur Verbreitung und Veröffentlichung von persönlichen, und auch kritischen, künstlerischen Bildern und Videos. Wenn auch viel Oberflächlichkeit auf Instagram vorherrscht, gibt es sie, die inspirierenden und sinnvollen Accounts. Und der von Glenn Ligon ist so einer. Er bewertet Situationen, hinterfragt und zeigt sich von der persönlichen Seite. Und mit fast 36.000 Followern hat er eine gute Reichweite als Basis. Zudem gibt er persönliche Einblicke in das Leben seines Künstlerdaseins. Reale Einblicke, die manchmal banal wirken, uns aber auch in der Normalität abholen.

„I’m interested in when language fails, when it is opaque.“[4]

In Deutschland ist der Künstler (noch) nicht so bekannt wie in den USA. Das sollte sich ändern. Glenn Ligon beschäftigt sich in seiner Kunst mit wichtigen Themen und Fragen. So hinterfragt er und lässt dabei hinterfragen. Das Material wird von ihm zur Verfügung gestellt, die Eigenleistung muss der Betrachter machen. Er ist derjenige, der reflektieren muss.

„I don’t know if I would describe myself as a political artist.“[5]

 

Weitere Texte mit ähnlichem Thema:

Zum Thema der gesellschaftskritischen Kunst gibt es auf meinem Blog noch weitere Texte, sie sehr spannend sind und das Thema gut umreißen:

Mapping the Collection: Kunst ohne „Schwarz und Weiß“, ohne „politisch oder unpolitisch“ und ohne „homogen gegen heterogen“

Eine Rezension: The Journey – New Positions in African Photography

„Nil Yalter – Exile is a hard job“ im Museum Ludwig Köln

Porträt eines Afro-Amerikanischen Künstlers: Kerry James Marshall

 

[1] Glenn Ligon: https://www.brainyquote.com/quotes/glenn_ligon_892973
[2] Glenn Ligon: https://www.brainyquote.com/quotes/glenn_ligon_892969
[3] Glenn Ligon: https://www.brainyquote.com/quotes/glenn_ligon_893001
[4] Glenn Ligon: https://www.brainyquote.com/quotes/glenn_ligon_892966
[5] Glenn Ligon: https://www.brainyquote.com/quotes/glenn_ligon_892963

 

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