Andreas Gefeller – The Backside of Light

Ausschnitte, abstrakte Versatzstücke, die sich manchmal noch erkennen lassen. Die Belichtung variiert, es gibt heller wirkende Kontraste, extreme Schärfe auf allen Ebenen. Wie Malerei wirkende Fotografien. Andreas Gefeller arbeitet mit ihm alles umfassenden fotografischen Mitteln, um eine neue und besondere Art der Fotografie zu generieren. Dabei sind die technischen Gegebenheiten der Kamera sein Instrument. Das Sichtbarmachen der Dinge, die uns gar nicht so bewusst sind oder die wir gar nicht in diesem Status wahrnehmen, ist das Ziel von Andreas Gefeller. Dabei spielt er mit den Grenzen zum Malerischen und Zeichnerischen. Oft fällt es uns schwer die Arbeiten als reine Fotografien zu enttarnen. Abstrakte Poesie könnte es auch genannt werden.

„Manchmal habe ich das Gefühl, die ganze Welt sei eine riesige Versuchsanordnung …“ [1]

Die Thomas Rehbein Galerie zeigt die Ausstellung „The Backside of Light“ Fotografien einer neuen Serie, in denen die Belichtung und die Hell- und Dunkelkontraste erzeugt durch das Licht die Wirkung der Fotografie bestimmen. Die Wahrnehmung des Bildes kann somit abstrakt sein oder aber die Motive sind erkennbar, wirken jedoch wie gezeichnet. Auch sind Strukturen sichtbar, die wir so mit unserem bloßen Auge niemals wahrgenommen hätten, manchmal verdichtet, manchmal bestehend aus mehreren Ebenen, aber immer pure Fotografie.

Ausstellungsansicht: Andreas Gefeller „The Backside of Light“
Foto: Andreas Gefeller
Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

Der 1970 in Düsseldorf geborene Künstler visualisiert Dinge, die so in unserer Welt nicht wahrnehmbar sind. Und verändert diese in seiner neuen Serie durch die gegebenen technischen Mittel der Kamera, er spielt mit Beleuchtung, mit dem Übereinanderlagern verschiedenener Bilder, der Schärfeneinstellungen.

Das Werk Gefellers umfasst verschiedene Serien: Halbwertszeiten (1996), Soma (2000), Supervisions (2002–2009), The Japan Series (2010) und Blank (seit 2010). Seine jüngste Serie: The Backside of Light.

Fotografie, eins der künstlerischen Medien, das geliebt, aber auch schwer zu vermitteln und oft kritisiert wird. Immer noch wird diskutiert, ob Fotografie Kunst sein könne, obwohl es in der Vergangenheit mehrfach bewiesen werden wurde. Der Aspekt Reproduktion ist immer noch eine Diskussionsfrage, immer noch eine Hürde, die niederzureißen gilt. Doch Andreas Gefeller zeigt, dass eine Fotografie mehr sein kann, mehr nur als Dokument einen Ist-Zustands, mehr als nur die Wirklichkeitswidergabe. Er spielt mit dem Medium, spielt mit den Möglichkeiten und der Technik.

Ausstellungsansicht: Andreas Gefeller „The Backside of Light“
Foto: Andreas Gefeller
Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

Das Thema Gefellers Fotografien dreht sich immer wider um die Fragen: Was sehen wir? Und was sehen wir nicht, dafür aber die Kamera? Was steckt hinter den Dingen und wie kann man eine neue Wirklichkeit erzeugen, indem man unsichtbare Strukturen sichtbar werden lässt? Hierbei arbeitet der Fotograf nur mit den Dingen, die ihm gegeben sind, er fügt nichts weiter hinzu, keine Lichtquellen, keine Requisiten, nichts ist gestellt oder künstlich. Dennoch wirken seine Fotografien manchmal nahezu künstlich. Die Arbeiten, in unterschiedlichen Formaten gehalten, sind nie eindeutig, sie sind immer viel- und mehrschichtig. Beim Betrachter entstehen so Assoziationen und Ideen zu den Fotografien, zu den Dingen, die nicht sofort erkennbar sind.

Langzeitbelichtung und gestochene Schärfe erheben die Fotografie fast zur Malerei. Gefeller benutzt die Technischen Mittel der Kamera, um neue dem Betrachter neue Sichtweisen zu eröffnen, um mit der Wahrnehmung zu spielen. Die Kamera ist hierbei die Erweiterung unseres Auges, sie fängt Dinge ein, die unser menschliches Auge nicht sehen kann.

Gefeller zeigt uns die Unterschiede der Wahrnehmung durch das Auge und das der Kamera auf, beide mitunter völlig unterschiedlich. So entsteht ein neues Sehen, das auch viel mit Verstehen, dem Verstehen unserer Umwelt, wie wir Dinge wahrnehmen und wie etwas wirkt und sich die Informationen im Gehirn zusammensetzen, zu tun hat. In einigen Bereichen des Bildes löscht Gefeller durch Über- oder Langzeitbelichtung gar einige Bereiche aus, radiert sie aus dem Bild. Umrisse werden unscharf und tiefe, feine, für das menschliche Auge unsichtbare Strukturen werden sichtbar gemacht. So arbeitete Gefeller bereits in seiner Serie „Blank“. Viele Arbeiten sind bei Nacht gemacht. Alles Dargestellte lässt sich auch in der Realität wiederfinden, Gefeller fügt keine Gegenstände oder Motive hinzu.

Ausstellungsansicht: Andreas Gefeller „The Backside of Light“
Foto: Andreas Gefeller
Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

Die Ausstellung zeigt einige Fotografien, die den Funkenflug zeigen, mehrmals fotografiert und im Anschluss hintereinander gesetzt. So entstehen abstrakte und unkenntliche, aber wunderschöne Werke. Mithilfe seiner gewählten technischen Verfahrensweise macht er so Strukturen sichtbar, die wir so nicht direkt erkennen würden. Eine der Arbeiten könnte ein Jackson Pollock Action Painting sein, doch in filigraner und natürlicherer Weise.

Wahrnehmung und alles was damit zusammenhängt, ist demnach in Gefellers Werk ein entscheidender Aspekt. Wie nehmen wir wahr? Und was ist dabei Wirklichkeit? Denn in unser Sehen und Wahrnehmen spielen auch immer Kenntnisse, Wissen und Erwartungen mit hinein. So sehen wir einen Baum vielleicht anders, weil wir das Wissen besitzen, dass ein Baum einen Stamm und grüne Blätter hat. Doch sieht er in Wirklichkeit auch so aus? Gefeller verändert durch das Sehen durch die Kamera in gewisser Hinsicht Wahrnehmungen und vermischt sie mit der realistischen Darstellung, so entstehen kmplett neue Bilder, die gemischt sind mit unserem Wissen und unseren Ideen und Assoziationen. Gefeller verschiebt auch die Perspektive, die in seinen Bildern nicht immer eindeutig auslotbar ist.

„Gefellers Bilder sind raffinierte Seh-Fallen. Fiktiv ist hier immer nur die Perspektive.“[2]

Bei all dem fließen alltägliche Motive in das Werk des Fotografen, Dinge aus unserer Umwelt, Dinge, die uns umgeben, spürt Gefeller aus und setzt sie in detaillierter Arbeit in die Fotografie um. Dies scheint nicht immer auf den ersten Blick hindurch, sind es doch beispielsweise Lichtelemente einer LED Lichtquelle, die uns in den Arbeiten als abstrakte Strukturen, unterbrochene helle wirre Linien begegnen. Oder ein extrem verschärfter Birkenwald. Verborgenes und Verstecktes macht er sichtbar, dies versteckt in Dingen, die wir täglich wahrnehmen können.

Eine weitere Frage stellt sich dem Betrachter: muss Gefellers Arbeit dem Begriff der fotorealistischen Objektivität entsprechen? Muss eine Fotografie objektiv sein, sind seine Arbeiten objektiv? Er verändert das Wesen dessen, was er darstellt, dennoch auf einer sachlichen Ebene. Gefeller bewegt sich zwischen Wahrheit und Illusion, Realität und Inszenierung.

Ausstellungsansicht: Andreas Gefeller „The Backside of Light“
Foto: Andreas Gefeller
Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

Andreas Gefeller lebt und arbeitet in Düsseldorf. Im Jahr 2000 schloss er sein Studium der visuellen Kommunikation und Fotografie mit Auszeichnung bei Professor Bernhard Prinzan der Folkwang Universität Essen ab. Schließlich wurde er 2001 zum Mitglied in die Deutsche Fotografische Akademie (DFA) berufen.

In den Arbeiten Gefellers kann der Betrachter sich verlieren, auf Spurensuche gehen. Er gibt Rätsel auf, die der Betrachter zu lösen versucht. Neue Sichtweisen, neue Perspektiven und andersartige Strukturen, machen sein Werk spannend und interessant.

Die Arbeiten sind vielleicht eine alternative Wirklichkeit. Dabei bewegt sich Gefeller zwischen Abstraktion und Wirklichkeit, Fotografisch und Malerisch, poetisch und realistisch.

Ausstellungsansicht: Andreas Gefeller „The Backside of Light“
Foto: Andreas Gefeller
Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

 

[1]Andreas Gefeller in „Marc Peschke: Im Versuch, Verborgenes sichtbar zu machen“, Photoscala, Online-Magazin, September 2010

[2]Manfred Zollner, „Matrix des Alltags“, in: Foto Magazin, Juni 2007