Eugène Delacroix, kein unbekannter Name in der Kunstgeschichte. Einer der bedeutendsten französischen Maler des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Werke sind farbgewaltig und spielen so mit den Emotionen des Betrachters. Er ebnete mit seiner neuen Sicht auf die Farbe und deren Anwendung den Weg der Impressionisten.

Delacroix, Eingang zur Ausstellunng, Louvre, Paris

Delacroix, Eingang zur Ausstellunng, Louvre, Paris

Der Pariser Louvre zeigt (noch bis zum 23. Juli 2018) eine umfangreiche Ausstellung des gesamten Schaffens von Delacroix. Ein Überblick mit etwas trivial gewähltem Titel „Delacroix (1798–1863)“, der aber nicht beirren sollte. Was lange währt, wird endlich gut, denn dies ist seit vielen Jahren die erstegroße Präsentation des französischen Künstlers, rund 180 Werke, darunter Zeichnungen, Skizzen, Studien und Gemälde, werden gezeigt.In chronologischer Präsentation erzählt die Ausstellung in deskriptiver Art und Weise über das Schaffen des Künstlers.

Ferdinand Victor Eugène Delacroix, so sein voller Name, wurde 1798 in Charenton-Saint-Maurice bei Paris geboren und lernte die Malerei dort an verschiedenen Stationen.

Seine Motive konnten kritisch sein und sorgten regelmäßig für Aufsehen, denn er scheute es nicht zu schockieren. Delacroix war sowohl von Peter Paul Rubens und Paolo Veronese, vordergründig durch ihre Art Farbe einzusetzen, fasziniert und beeinflusst. Zudem bewunderte er den französischen Künstler Théodore Géricault, bei dem er sich einiges abschauen konnte. Von Géricaults imposanten und berühmten Werk „Das Floß der Medusa“ war er besonders angetan. Davon beeinflusst, malte er „Dante-Barke“, das sich auf Dante Alighieris Schrift „Die Göttliche Komödie“ bezog.

Eugène Delacroix, „Selbstporträt mit grüner Weste“, ca. 1837, Musée du Louvre,
Paris © RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Michel
Urtado

Frankreich befand sich zu Lebzeiten von Delacroix in politischen Wirren und wiederkehrendenUnruhen. Es war die Zeit nach der Französischen Revolution, die Regierungen wechselten sich ab. Nach der Schreckensherrschaft von Robespierre, kam Napoleon und versuchte weitere Länder Europas zu erobern. Er errichtete in Frankreich ein Kaiserreich und war lange Zeit an der Macht. Doch er wurde letztlich besiegt und in Europa erstarkteerneut die konservative Macht, die Herrschaft der traditionsbewussten Restaurier. Das Volk Frankreichs war hin- und hergerissen zwischen den wechselnden Regierungssystemen und Machthabern. Der schnelle Systemwechsel von Revolution, Macht des Volkes wieder hin zur Restauration, Macht der Adeligen und Reichen, Kaiserreich und Republik, manifestierte sich besonders in der Malerei. Künstler, die besonders fähig waren, hatten die Aufgabe das Zeitgeschehen in Historiengemälden festzuhalten. Einer von ihnen war Delacroix, gefangen zwischen Anpassung und Aufstand, doch seine Anerkennung blieb stetig, bis heute ist sie erhalten.

Durch die Farbe, die er gekonnt, virtuos und als wichtigstes Stilmittel einsetzte, wurde er zum Poeten der Malerei der französischen Romantik, obwohl er sich selbst nicht als Romantiker sah und diese Bezeichnung für sich ablehnte Er war einfach Maler, trotz einiger Zweifel, die ihn ständig begleiteten. Überwältigend und beeindruckend lebendig, trotz einer gewissen Düsternis.Ein versuch Delacroix einzuordnen oder zu kategorisieren, sollte nicht erfolgen, zu modern und revolutionär war sein Werk zu Lebzeiten. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen, die im Sinne der Akademie malten und als klassizistisch galten, so zum Beispiel auch Jean Auguste Dominique Ingres, schaffte es Delacroix Dynamik und Spannung in seine Werke zu integrieren. Es entstanden Historienbilder mit Kraft und Leben, dennoch blieben die Bilder aber auch oft düster, dramatisch und schreckenshaft. Seiner Meinung nach entstand die lebendige Wirkung des Bildes allein durch die Farbe und ihrem Reichtum an farblicher Differenzierungsmöglichkeiten.

Der Aufmacher der Ausstellung ist natürlich das berühmteste Werk von Delacroix „Die Freiheit führt das Volk“, Sinnbild und Symbol für Frankreich. Doch fälschlicherweise wurde es oft in Zusammenhang mit der französischen Revolution 1789 gesetzt, doch in Wahrheit entstand es Jahre später, im Zuge der Julirevolution 1830. Es veranschaulicht gekonnt und deutlich erfahrbar die Verluste, die in der Revolution erlitten wurden, und zeigt dennoch den grausamen Machtwechsel im politischen System Frankreichs. Daher wurde dieses Gemälde auch lange Zeit im Depot versteckt, die Machthaber fürchteten, dass es zu neuen Unruhen anstiften könnte.

Im Weiteren werden verschiedene Historienbilder, in der Zeit, in der Delacroix lebte, dem 19. Jahrhundert, die wichtigste Gattung in der Malerei gezeigt. Daneben im Dialog werden Porträts, Grafiken, Studien und Skizzenbücher präsentiert, die einen näheren Einblick in die Arbeit, Vorgehensweise und das Werk des Künstlers geben. Eine interessante Perspektive auf das Schaffen des französischen Malers zeigen seine Bilder von Großkatzen wie Tigern oder Löwen.

Eugène Delacroix, "Junger Tiger spielt mit Mutter", 1830/ 1831 Salon, Musée du Louvre, Paris © RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Franck Raux

Eugène Delacroix, „Junger Tiger spielt mit Mutter“, 1830/ 1831 Salon, Musée du Louvre, Paris
© RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Franck Raux

Zahlreiche Studien und Skizzen, ausgestellt in Vitrinen und an der Wand hängend, bezeugen, dass Delacroix die Natur, seine Umgebung, die Landschaft, die Menschen und alle Dinge, die er als Vorlage nutzte, sehr ausführlich studierte und mit Sorgfalt ans Werk ging. Und dies obwohl er kein Realist war. Der Realismus war die Epoche der Kunst, die der Romantik und dem Klassizismus folgte und in der Delacroix . So werden auch einige Landschaften und Naturbilder gezeigt, die Delacroix zumindest gedanklich in Verbindung mit den Realisten wie Gurstave Courbet setzen könnten.

Eugène Delacroix, "Medea About to Murder Her Children", 1838, Palais des Beaux- Arts, Lille © RMN-Grand Palais

Eugène Delacroix, „Medea About to Murder Her Children“, 1838, Palais des Beaux-Arts, Lille © RMN-Grand Palais

Inspiriert wurde Delacroix zudem durch Reisen nach Marokko und der islamischen Kunst. Dort fand er eine Farbgewalt und leuchtende Lichtverhältnisse vor, die er für seine eigenen Werke gekonnt umsetzte und nutzte. Er war fasziniert. Zahlreche Skizzen und Studien brachte er wieder mit nach Frankreich und nutzte diese immer wieder für neue Werke. Er war ein aufmerksamer Beobachter und machte sich Aufzeichnungen zu Dingen, die er sah und wahrnahm. Vermutlich entstand in Marokko auch seine Faszination für Raubkatzen, Löwenjagden und Tigern, die er immer wieder als Motive auf die Leinwand umsetzte.

In den Porträts schafft es Delacroix eine Eindringlichkeit und Intensität zu erzielen, die den Betrachter direkt mit einbezieht. Die Blicke wirken melancholisch oder von Schmerz erfüllt. Sehnsucht spricht aus den Augen der Porträtierten. In der Ausstellung finden sich einige eindrückliche Beispiele für das Erfassen der Gefühle der Porträtierten durch die Hand des französischen Meisters.

Eugène Delacroix, "Young Orphan Girl in the Cemetery", 1824, Musée du Louvre, Paris © RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Mathieu Rabeau

Eugène Delacroix, „Young Orphan Girl in the Cemetery“, 1824, Musée du Louvre, Paris
© RMN-Grand Palais (musée du Louvre)

Eugène Delacroix war ein Intellektueller, der sich gerne mit Literatur, Musik und Philosophie befasste. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für die Literatur. All dies versuchte er in seiner Malerei kontinuierlich umzusetzen. Durch seine unermüdliche Arbeit hatte er für diese Leidenschaften nicht immer viel Zeit. Er las Gedichte Lord Byrons und liebte besonders die Dramen von William Shakespeare. Zu Goethes „Faust“ entstanden im Jahr 1827 einige Lithographien.

Die Malerei des Franzosen sollte oft nicht sofort deutbar sein, nicht allzu viel sollte verraten werden. Seine Malerei zu erkennen, sollte ähnlich sein, wie den Inhalt eines Buches im Kopf durch Fantasie umzusetzen. Seine gemaltenWerke sah Delacroix als „eine Art geheimnisvolle Brücke zwischen der Seele der Figuren und der des Betrachters“, schrieb er in seinem seiner Tagebücher. Seine gemälde sollten eine Stimmung, die den Betrachter festhielt, erzeugen. Später vertraten die Impressionisten eine ähnliche Meinung und sahen in Delacroix ein Vorbild ihrer modernen Kunst. Er war ein malerischer Revolutionär, ein Wegbereiter.

Eugène Delacroix starb 1863 in Paris.

Delacroix, Bilder aus der Ausstellung, Louvre, Paris

Delacroix, Bilder aus der Ausstellung, Louvre, Paris

Kürzlich wurde das Bild „Tiger mit Schildkröte“ bei Christies in der Auktion der Rockefeller Sammlung für 9,9 Millionen Dollar versteigert. Passend zur gerade laufenden Ausstellung im Louvre, die die ganze Schaffenskraft und Bandbreite des französischen Künstlers Delacroix eindrücklich veranschaulicht. Gezeigt werden so alle für Delacroix wichtigen Motive, auch die Großkatzen, das Animalische, die er in einer Vielzahl an Varianten auf der Leinwand festhielt. Die Katzen verkörperten Eigenschaften, die Delacroix hervorheben wollte, Stärke und doch Anmut, daneben aber auch ihre tierische Grausamkeit und manchmal auch eine gewisse Melancholie. Vielleicht sind die Katzen auch Symbol für den menschlichen Charakter?

„Beim Eintreten in die Sammlung erfasste mich ein Glücksgefühl. Welch überwältigend mannigfaltige Tierwelt und welche Vielfalt an Arten, Formen und Schicksalen, Tiger, Panther, Löwen usw. Woher kommt die Rührung, die die Ansicht all dessen in mir auslöst: wohl daher, dass ich aus meinen Alltagsgedanken, die meine Welt bilden, aus meiner Straße, die mein Universum darstellt, herausgekommen bin. Wie dringend man sich doch von Zeit zu Zeit aufraffen muss, den Kopf zu lüften und die Schöpfung zu lesen versuchen, die nichts gemein hat mit unseren Städten und dem Menschenwerk.“[1]

J. Emil Sennewald betitelte Eugène Delacroix in der Weltkunst als „Gott des Gemetzels“, ein Filmtitel und als Delacroix Betitelung vielleicht etwas zu dramatisch, der es einfach nur sehr gut verstand, die Dramen der Zeitgeschichte in seinen Bildern lebhaft und in Farbe umzusetzen.

Delacroix, Bild aus der Ausstellung, Louvre, Paris

Delacroix, Bild aus der Ausstellung, Louvre, Paris

[1] Eugène Delacroix in seinem Tagebuch 1847, in: „Eugène Delacroix im Louvre : Der Triumph der Subjektivität“ von Jan Nicolaisen , FAZ, 28.4.18, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/die-werke-des-malers-eugene-delacroix-im-louvre-15554843.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0