Berthe Morisot – eine Frau in der Kunst: das Werk der Impressionistin

In der Kunstgeschichte gibt es nur wenige bekannte Künstlerinnen, wenige, die ähnlich bekannt waren als ihre männlichen Kollegen. Einige heute beliebte Malerinnen, die in Museen gezeigt werden, waren Geliebte, Lebenspartnerinnen berühmter künstlerischer Zeitgenossen, wie Paula Modersohn-Becker oder Frida Kahlo, und wurden auch nur als solche erstmal wahrgenommen. Oft aber traten sie später aus dem Schatten dieser Konkurrenz hervor und wurden berühmter als ihre männlichen Künstlerkollegen. Zeit ihres Lebens wurden jedoch viele unterschätzt bzw. wenig beachtet.

Dies lag vielleicht vornehmlich an den Rollenverhältnissen ihrer Zeit und der Stellung der Frau in der Gesellschaft im Allgemeinen. Ein weiterer Aspekt ist, dass Künstlerinnen in der Forschung im Bereich der Kunstgeschichte erst spät oder gar keine Beachtung fanden. Lange Zeit wurde Frauen auch der Zugang zu akademischen Berufen verwehrt oder aber gar sie durften keine Künstler werden. Wir leben heute in einer Umbruchsphase, die Geschlechterrollen werden neu definiert und festgelegt. Wir sind in unserer Gesellschaft zwar noch nicht lange dort angelangt, wo wir sein sollten, doch erste Schritte sind getan. Und auch in der Kunst ist dieser Umbruch spürbar, immer mehr Künstlerinnen und Frauen in der Kunstwelt werden in ihren wichtigen Rollen erkannt und auch benannt.

Berthe Morisot „Lady at her Toilette“, 1875 – 1880

Berthe Morisot war eine Künstlerin des 19. Jahrhunderts, eine noch schwierige Zeit für Frauen, gerade in der Kunst. Doch sie gehörte zu denen, die zu ihren Lebzeiten wahrgenommen wurde, ihr Mann Eugène Manet, Bruder des Künstlers Edouard Manet, unterstützte sie. Sie zählte zu der Gruppe der Impressionisten. Und sie war unter ihren zeitgenössischen Kollegen anerkannt und beliebt. Ihr Talent für Farbkompositionen wurde gelobt und sie durfte als Frau mit ihren Werken in den Ausstellungen der Impressionisten vertreten sein. Damals war dies nicht selbstverständlich. In der heutigen Zeit ist sie ein wenig in Vergessenheit geraten, doch zu ihren Lebzeiten war sie eine der Wegbereiterinnen der Moderne und auch eine Wegbereiterin für Künstlerinnen.

Berthe Morisot im Wallraf-Richartz-Museum Köln (Detail)

Morisot erscheint uns heute wichtiger denn je, denn immer noch kämpfen Frauen in unserer Gesellschaft und in der Kunst um ihren Platz. Sie malte in einer Welt, die von Männern bestimmt wurde, dennoch wurde sie von Ihnen akzeptiert und nicht als Konkurrentin, sondern als Malerin auf Augenhöhe wahrgenommen. Vorbildhaft für das Heute.

Bereits früh bekam Berthe Morisot Mal- und Zeichenunterricht, ihre Familie war kunstbegeistert und zusammen mit ihrer Schwester Edma ging sie ihrer Leidenschaft nach. 1860 wurde sie Schülerin von Camille Corot und begann unter freiem Himmel (en plein air) zu malen.

„Malen ist für mich so notwendig wie Atmen“, sagte Morisot einst. (http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/berthe-morisot/)

Berthe Morisot, „Young Girl with Doll“, 1884

1863 oder 1868 lernte Morisot Edouard Manet kennen, beide wurden Freunde und sie von 1872 bis 1874 seine Schülerin und beliebtes Modell, so zum Beispiel für sein berühmtes Gemälde „Der Balkon“ von 1868/1869. Ihre gegenseitige Anerkennung und Inspiration prägte ihr Schaffen. Später, 1874, heiratete sie Edouards Bruder Eugène. Studienreisen ab 1872 brachten sie nach Spanien, England, Italien, Belgien und Holland. Morisot kam aus wohlhabenden Haus, sie war kultiviert und man sagte ihr nach liebenswürdig zu sein, ihre Freunde waren Künstler, Musiker und Literaten wie Henri Fantin-Latour, Edgar Degas, Auguste Renoir oder Stéphane Mallarmé. Seit 1891 verbrachte sie ihre meiste Zeit in ihrem Landhaus in Mesnil, wo auch zahlreiche Bilder entstanden.

Das Thema ihrer Bildmotive ist vornehmlich das Licht in der Landschaft. Doch auch Motive wie Interieurs oder Frauen- und Kinderporträts fanden Eingang in ihre Malerei. Zudem arbeitete sie nicht nur mit Öl, sondern auch mit Aquarellen, Pastell, Radierungen und Lithographien. Sie bewahrte ihren eigenen Stil trotz der Annäherung an Manets Bildwelten. Charakteristisch sind ihre lichthaltigen Farben, harmonischen Kompositionen und ihr zarter Gefühlsausdruck in ihrer Malerei. Morisot zählte zu den bekanntesten französischen Impressionistinnen ihrer Zeit und wurde von ihren männlichen Kollegen in den eigenen Reihen akzeptiert und geschätzt. Seit 1874 stellte sie mit ihren Malerkollegen aus, nahm an fast allen Impressionisten-Ausstellungen teil. Ihre Malweise erinnerte an die eines Claude Monets oder Auguste Renoir. Dennoch stand sie außer Konkurrenz, denn ihr Auge für Harmonie und Farben sprach für sich. Ihre Bilder zeichnen sich durch eine Innigkeit und Zartheit aus, sie verstand es Mädchen, junge Frauen und Kinder mit einer gewissen Romantik und Feinfühligkeit darzustellen. Lichte Farben wie Rosé, helles Blau und reich nuanciertes Weiß sind in ihren Bildern immer wieder zu finden, besonders in ihren Pastellen und Aquarellen. Es ist die Einfühlsamkeit in ihren Bildern, die der Betrachter spürt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts näherte sie sich dem Jugendstil an und zeigte großes Interesse an Zeichnungen.

Berthe Morisot im Wallraf-Richartz-Museum Köln

Durch den Einfluss Manets wurden Morisots Bilder zunehmend heller und auch freier, frischer. Impressionistisch wird sie nach Manets Tod unter dem Einfluss Renoirs. Doch ganz eigen blieb sie immer in ihrer Interpretation, auch unter dem Einfluss ihrer männlichen Kollegen. Daneben gibt es ein Kriterium, das bei Morisot heraussticht, sie malte vornehmlich Situationen und Szenen, die eigens sie betrafen, dokumentierte so ihr Leben auf der Leinwand. Alltägliche Themen aus ihrer Umgebung, gebannt auf einen Maluntergrund. Die Menschen, die sie darstellte, waren demnach auch Familienmitglieder und Freunde. Daher wurde ihr Gesamtwerk auch als gemaltes Tagebuch bezeichnet, anstelle von Worten Licht und Farbe. Ein Beispiel hierfür ist die Arbeit „Eugene Manet und seine Tochter im Garten“ von 1883.

„Mein Ehrgeiz beschränkte sich darauf, etwas von dem, was vorbeizieht, festzuhalten. Etwas! Sogar dieser Ehrgeiz ist noch maßlos.“ (https://www.kunst-zeiten.de/berthe-morisot-ihr-werk)

Berthe Morisot „Im Dining Room“, ca. 1875, Öl auf Leinwand

Mich berühren ihre Bilder in einer Art, wie es die anderen Impressionisten nicht zu schaffen vermögen. Ihr Sinn für Farbe und die harmonische Komposition bewegen in mir eine Sentimentalität, allein durch ihre besondere Gabe der Einfühlsamkeit. Sie fing eine wunderbare Lichtstimmung ein und konnte diese durch ihre Bilder transportieren. Mir stellt sich die Frage, ob es vielleicht auch das Weibliche in ihren Arbeiten ist, dass mich so fasziniert?

Jedenfalls sollte diese Malerin nicht in der Kunst vergessen werden, denn ihr Werk ist geprägt von einer Lebenslust und Freiheit, gepaart mit Liebe und auch Weiblichkeit.

Berthe Morisot wurde 1841 in Bourges geboren und verstarb 1895 in Paris.

Berthe Morisot im Wallraf-Richartz-Museum Köln

 

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