Das 15. und 16. Jahrhundert beschrieb eine neue Zeit für Deutschland, religiöse und politische Umbrüche in der Gesellschaft, Kirche und den Machtverhältnissen. Die Reformation fand ihren Weg. Und auch in der Kunst, besonders der Malerei wurden neue Wege gefunden. Italien machte es in der Renaissance vor und kehrte zu antiken Formen und Darstellungsweisen zurück. Und auch die deutsche Kunst veränderte sich. Lucas Cranach war zu dieser Zeit einer der bekanntesten, erfolgreichsten und produktivsten Maler Deutschlands. Doch orientierte er sich nicht an der antiken oder italienischen Kunst, sondern fand eine eigene Formen- und Ausdruckssprache und sein eigenes Schönheitsideal wie es beispielsweise an seinen Darstellungen von Adam und Eva sichtbar wird.

Die Ausstellung „Cranach“ im Kunstpalast Düsseldorf zeigt einen Gesamtüberblick über das Schaffen des Künstlers, unterteilt in seine Lebensstationen. Am Ende wird Cranach schließlich in den Kontext der Gegenwartskunst eingeordnet. Alles in allem, eine zu empfehlende Ausstellung und ein eindrucksvolles Schaffen, das bereits zu seinen Lebzeiten aufgrund der Qualität gelobt wurde. Die Ausstellung wird bis zum 30. Juli in Düsseldorf gezeigt.

 

Lucas Cranach der Ältere, Selbstbildnis, 1531, Malerei auf Buchenholz, 45,2 × 35,5 cm, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer – Schloss Stolzenfels, Foto GDKE

 

Cranach und die Reformation

Lucas Cranach der Ältere war seiner Zeit voraus. Die beginnende Neuzeit der Kunst hielt er in zahlreichen Gemälden und auch Stichen fest. In seiner Malerei sind die Einflüsse der Donauschule spürbar. Einige Jahre verbrachte er in Wien, das zu dieser Zeit ein wichtiges Zentrum europäischer Kultur war. Ab 1505 war er Hofmaler am kursächsischen Hof, doch er war weit mehr als nur ein Hofmaler. Er war befreundet mit Martin Luther und übernahm Aufträge von protestantischen Freunden. Er half maßgeblich der Reformation durch die Verbreitung seiner Illustrationen im Auftrag der Reformatoren. Im Jahr 1522 erschien Martin Luthers Bibelübersetzung und die Illustrationen stammten aus der Feder Cranachs.

Lucas Cranach der Ältere, Bildnis Martin Luthers als Junker Jörg, 1521, Malerei auf Buchenholz, 35 × 27 cm, Museum der bildenden Künste, Leipzig, © bpk / Museum der bildenden Künste, Leipzig

Die Ausstellung untersucht die These, ob durch Cranachs effektive Produktion in der Werkstatt und seine eigene Bildsprache die Reformation zu einem sich so schnell verbreitendem Ereignis werden konnte. Durch Cranachs Ideen und Kreativität wurde neue reformatorische Bildthemen geprägt, so z.B. das des „Gesetzes und der Gnade“.

Cranach war die Verbindung zwischen Reformation und Kunst. Er vermittelte die Inhalte durch seine Bilder und Porträts. Dadurch konnte sich der neue religiöse Gedanke verbreiten. Und das obwohl Cranach gleichzeitig wichtige katholische Auftraggeber hatte, die Gegner der Reformation waren, so zum Beispiel porträtierte er Kardinal Albrecht von Brandenburg. Hierdurch wurde sein politisches und diplomatisches Geschick deutlich. Cranach bereitete den Weg für eine moderne Auffassung des Schaffens von Kunst, denn bisher war die Kirche ein wichtiger Auftraggeber für die Künstler der Zeit, was sich allmählich änderte. Doch Cranach zeigte, dass ein Schaffen von Kunst auch ohne kirchlichen Auftrag Verbreitung finden konnte. Kunst konnte nun losgelöst vom kultischen Zweck existieren.

Biographische Details

Geboren wurde Lucas Cranach als Sohn von Hans Maler (was bereits auf den Beruf verwies) wahrscheinlich 1472 in Kronach, Oberfranken. Er benannte sich später nach seinem Geburtsort wie dies bereits einige Künstler wie zum Beispiel Hieronymus Bosch getan hatten. Biographische Fakten sind erst ab ca. 1500 wirklich fassbar, also zu der Zeit, in der er in Wien verweilte. Er hatte fünf Kinder, zwei Söhne Hans und Lucas der Jüngere, beide Maler, und drei Töchter. 1502 ging er für zwei Jahre nach Wien, das seinerzeit als kulturelles Zentrum Europas galt. Dort ließ er sich durch die Donauschule beeinflussen und knüpfte erste Kontakte zu den Humanisten. Auch in Wien begann er erstmals seine Werke mit „Lucas Cranach“ zu signieren. Durch die Tatsache, dass er bereits dort Aufträge annahm, lässt darauf schließen, dass er vorher eine Ausbildung bzw. ein Studium der Kunst abgeschlossen haben muss. Im Jahr 1505 wurde er dann Hofmaler am kursäschsischen Hof und sollte es unter den nachfolgenden zwei Generationen bleiben, also 5 Jahrzehnte bei drei Fürsten. Seine Aufgaben bestanden darin, Gemälde und Porträts mit sakraler und profaner Thematik zu schaffen, Medaillen, Wappen oder Kostüme zu entwerfen und Möbel zu bemalen.

Lucas Cranach der Ältere, Christus und die Ehebrecherin, 1532, Malerei auf Lindenholz, 82,5 × 121 cm, Szépművészeti Múzeum / Museum of Fine Arts Budapest, 2016/ Foto: Dénes Józsa

Durch seinen Dienstherren bekam er 1508 ein Emblem als Familienwappen verliehen, dargestellt wurde eine geflügelte Schlange mit einem Rubinring im Maul. Im diplomatischen Auftrag fertigte Cranach im Weiteren immer wieder Porträts von hohen Adligen wie dem Kaiser Maximilian oder Kaiser Karl V. an. 1528 war Cranach der reichste Bürger der Stadt. Bürgermeister der Stadt Wittenberg war er in den Jahren 1537, 1540 und 1543, von 1519 bis 1549 war er stetiges Ratsmitglied. Aufgrund seiner verschiedenen politischen und künstlerischen Aktivitäten, gehörte er zu den einflussreichten Persönlichkeiten und bedeutendsten Künstler des 16. Jahrhunderts in Deutschland.

Am 16. Oktober 1553 starb Lucas Cranach der Ältere in Weimar. Er lebte im Haus seiner Tochter Barbara, das auch Cranachhaus genannt wurde. Auf seinem Grabstein wird er mit „schnellster Maler“ beschrieben.

Lucas Cranach der Ältere, Adam und Eva, um 1510, Malerei auf Lindenholz, 59 × 44 cm, Nationalmuseum, Warschau/ Foto: Ligier Piotr / Muzeum Narodowe w Warszawie

 

Cranach und sein künstlerisches Schaffen

Lucas Cranach ist heute für seine hohe Produktivität bekannt. Seine Werkstatt war gut und straff organisiert, so dass eine Vielzahl an Aufträgen erfüllt werden konnten. Heute lassen sich weit mehr als 1000 Tafelgemälde nachweisen. Daneben produzierte er eine hohe Anzahl an Holzschnitten und rund 350 Zeichnungen und Kupferstiche. Insgesamt erstreckt sich seine Schaffensperiode auf mehr als 50 Jahre.

Lucas Cranach der Ältere und Werkstatt, Christus am Ölberg, um 1540, Malerei auf Buchenholz, 86,5 × 58,5 cm, Museum Kunstpalast, Düsseldorf / Foto: Gunnar Heydenreich, cda

Seine frühesten erhaltenen Arbeiten zeigen eine energetische und farbenfrohe Formensprache, die in bewegte Konturen überging. Zu seinen Motiven gehörten sowohl mythologische als auch allegorische Szenen. Er stattete zahlreiche Kirchen mit Altarbildern aus und bekam private Bildaufträge. Eines seiner beliebten Themen war der Frauenakt, so stellte er häufig die Venus oder die Eva dar. Seine Frauendarstellungen waren elegante und grazile Figuren mit schlanken Körpern. Diese kommen dem heutigen europäischen Schönheitsideal recht nahe. Peter Paul Rubens später hingegen stellte Frauen mit einem komplett gegenteiligen Schönheitsideal dar.

Lucas Cranach porträtierte die bürgerlichen und geistigen Eliten seiner Zeit und dabei hatten sie die unterschiedlichsten politischen und religiösen Prägungen. Doch durch seine zunftsfreie Anstellung als Hofmaler fiel ihm eine Sonderstellung zu. Hierdurch konnte er auch geschickt am Kunstmarkt der Zeit agieren. Es sprach für seinen Geschäftssinn, dass er sich nicht nur ein bestimmtes Klientel beschränkte.

 

Lucas Cranach der Ältere, Judith mit dem Haupt des Holofernes, um 1530, Malerei auf Holz, 61,9 × 89,5 cm, The Metropolitan Museum of Art, Rogers Fund, 1911 / Foto: bpk | The Metropolitan Museum of Art

Cranach und andere Künstler

Neben Martin Luther war auch sein Künstlerkollege Albrecht Dürer eine wichtige Bekanntschaft für Cranach. Ihn lernte er 1524 in Nürnberg kennen. Dürer gehörte neben Cranach zu den wichtigsten deutschen Malern und beide beeinflussten sich gegenseitig. Jedoch nahm Cranach im Gegensatz zu Dürer weniger die italienisch klassischen Einflüsse in seine Werke auf. Zusammen mit ihm und weiteren Künstlern erhielt Cranach im Jahr 1515 den Auftrag das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. zu illustrieren, was sein Ansehen als Maler unterstrich.

Lucas Cranach hatte ein starkes künstlerisches Selbstverständnis und ein Vertrauen in sich als Maler. Er scheute nie den Wettbewerb mit anderen Künstlern. Ganz im Gegenteil, er entwickelte sich durch Konkurrenz und Wettstreit stetig weiter. Durch den künstlerischen Austausch konnte er immer wieder neue Wege und Prozesse, Werke zu erschaffen, für sich finden.

Auch in der Ausstellung wird die Thematik der Wechselbeziehung von Cranach mit anderen Künstlern beleuchtet. Dabei wird veranschaulicht wie er mit seiner Wahrnehmung anderer Kunstwerke umging, sich neuer Techniken oder Themen aneignete und daraus für ihn folgernd dies überbot.

Lucas Cranach der Ältere, Venus und Cupido, 1509, Malerei auf Holz, auf Leinwand übertragen, 213 × 102 cm, © Staatliche Eremitage, St. Petersburg, 2017 / Foto: Gunnar Heydenreich, cda

 

So gehört Lucas Cranach zu den Wegbereitern einer neuen Kunst und Malerei in Deutschland. Er gab der Malerei eine neue Form und führte die deutsche Kunst in die Neuzeit.