Simon Schubert, Jenseits von Ideen (2016), Installation mit Papierarbeiten und Skulptur, variable Größe, Foto by Cosima Hawemann

Simon Schubert arbeitet mit Papier. Seine Werke sind filigran, vorsichtig und bezaubernd. Ja, bezaubernd ist ein passender Begriff für die leichten Arbeiten, deren Motive durch Falten und Prägen entstehen. Das Thema ist der Innenraum, Möbel, Gänge, Treppenfluchten und Architekturen. Die Räume wirken verlassen, einsam, abgeschottet von dem Leben in einer Welt voller Menschen. Der Verlust und die Verfremdung sind spürbar und liegen in dem Bild wie ein Nebel. Ein Hauch von Mystik oder etwas Geheimnisvollem schwingt in der ausstrahlenden Atmosphäre der Bilder mit.

Eine besondere Technik

Die Wirkung entsteht durch die besondere Technik, die Schubert für seine Arbeiten anwendet. Er faltet und prägt das Papier. Diese einzigartige Technik entwickelte er selbst und gibt ihm die Möglichkeit, seine Räume und Innenansichten auf eine neue Weise mit den Gefühlen der Einsamkeit, Isolation und Verlassenheit zu verbinden. Dabei spielen schwarz und weiß eine zentrale Rolle, sie verstärken die Gefühlsempfindungen.

Die dargestellten Orte sind eine Mischung aus Fiktion und Realität. Zum Beispiel besuchte Schubert zur Recherche Orte und Räume, an denen Edgar Allen Poe lebte und wohnte. Diese Einflüsse fließen mit in die erdachten Räume Schuberts. So entstehen neue Fluchtpunkte- und orte, in die sich der Betrachter zurückziehen kann.

Weitere künstlerische Mittel 

Aber nicht nur mit Faltungen von Papier arbeitet er. Auch Bilder mit Grafit gehören zu seinem Repertoire. Große Installationen in Lebensgröße, beschäftigen sich zudem mit dem Thema der Architektur und leerer Räume, Abgeschiedenheit und anderer Welten. Mitunter versieht er ganze Räume mit seinem Papier und schafft so eine ganz neue Umgebung. Der rote Faden zieht sich jedoch durch die verschiedenen Werkgruppen und immer ist Schuberts Handschrift zu lesen. Gleich bleibend ist immer das Spiel zwischen Licht und Schatten, das den Raum bezaubert.

“The folds are lightless pictures; there is no light portrayed. It is neither night nor day, and no natural or artificial light dominates the interiors or landscapes; it is a state of irreal, time-suspended neutrality. Everything is placed in an even nonlight, immersed in the same lightness or the same darkness. The folds are completely dependent on the light in the viewing room, appropriating – like a mirror – it’s fall, temperature and intensity. It is this real lighting that first generates the real nuanced shadows, and it is these light reflections on the folds in the paper that make it into a minimaly low-relief; they form themselves into a picture, a photo. First via this borrowed light the changes through the day’s progession or in the come-and-go shine of artificial lighting, due the landscapes, architecture and faces become visible and invisible.“[1]

 

 

Zur Zeit, gerade und momentan

Der 1976 in Köln geborene Simon Schubert ist derzeit in einer Ausstellung zum Thema Wald, einem vielbeschworenen Ort für Natur, Sehnsüchte und Erfahrungen, in der Galerie van der Grinten vertreten. Die Galerie präsentiert die lebensgroße Skulptur, „Tür“, die bereits im Jahr 2012 in eine Ausstellung in der Villa Zander gezeigt wurde. Zum Weiteren gibt es ein Wandrelief, das der Struktur und Oberfläche eines Baumstammes nachempfunden ist. Das ganz in schwarz gehaltene Relief hat ein kleines Guckloch, das dem Betrachter aber allen Raum zur eigenen Vorstellung lässt. Dies korrespondiert mit der Skulptur „Tür“, in deren beide Seiten einen Spion eingelassen ist, um in einen dichten Wald durchzuschauen. Die Ausstellung wird von der Galerie noch bis Januar 2017 gezeigt.

Zeitgleich präsentiert die Galerie Thomas modern in München eine Einzelausstellung „Wo auch immer ist jetzt“ mit Schuberts Werken. Zu sehen ist diese bis zum 21. Januar 2017.

Installationview, Simon Schubert, Tür, 2012, mixed media, 217 x 112 x 38 cm

Inspirationen

Schubert studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und war Meisterschüler bei Irmin Kamp. Später war er Assistent bei dem Philosophie-Professor Paul Good. Durch diese Tätigkeit kam er mit dem Werk Samuel Becketts in Berührung, das ihn zu seiner Kunst inspirierte. Beckett, der aus Irland stammt und einen Nobelpreis in Literatur sein eigen nennen darf, blickte immer wieder zynisch auf die Welt und die vom Menschen herbeigeführten Ereignisse. „Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann.“ Weitere Inspirationen nimmt Schubert aus Filmen und der weiterer Literatur. Hier ist auch David Lynch zu nennen. Weitere sinnliche Schöpfungsquellen findet Schubert aber auch in Malern wie René Magritte, Vilhelm Hammershoi oder Edvard Munch. Das philosophische, kulturelle und gedankliche Moment ist immanent in seiner Kunst.

 

Schubert ist ein zurückhaltend wirkender Mensch, ähnlich seiner Kunst. Aber zurückhaltend bedeutet interessant. Nicht immer muss der Künstler in den Vordergrund treten. Seine Kunst kann durchaus für sich alleine stehen und sprechen.

Im Grunde birgt doch alles etwas Geheimnisvolles. Doch das Geheimnis bleibt behütet, selbst durch genaues und intensives Betrachten.

 

 

 

[1] Jens Peter Koerver about Simon Schubert’s folds in “Other Persons, Other Places”