Andreas Gursky – Nicht abstrakt

Andreas Gursky ist ein Düsseldorfer Fotokünstler, der die Grenzen verschwimmen lässt. Seine Fotografie wirkt malerisch und abstrakt, bleibt dabei aber dennoch Fotografie. Der 1955 in Leipzig geborene Künstler selbst sagt: „Die Zukunft liegt nicht in der reinen Fotografie, sondern in der freien Kunst.“ Und auch „Ich bin sehr stark von der Malerei beeinflusst.“ Trotz allen Versuchen, eine Definition zu finden und seine Arbeiten zu kategorisieren, sieht er sich selbst weiterhin als Fotograf.

Installationsansicht ANDREAS GURSKY - NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DŸsseldorf.
Installationsansicht
ANDREAS GURSKY – NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DŸüsseldorf.

Zur Zeit zeigt eine Ausstellung in der Kunstsammlung NRW, im K20, vom 2. Juli bis 6. November 2016 sowohl neue als auch bereits bekannte, sowohl kleinformatige als auch großformatige Werke Gurskys. Diese insgesamt rund 20 Arbeiten treten hier in einen Dialog zwischen ihm und den Malern der Moderne. Auch wenn die Werke malerisch wirken, sind und bleiben es Fotografien.

In seinen neuen Arbeiten widmet er sich den Fragen nach der Wiedergabe des Lichts, der Texturen und der Farben.

„Ich habe zirka zehn, zwölf Jahre, oder sogar 15 Jahre, analog gearbeitet und fand mich immer in Abhängigkeit von den Orten, die ich vorgefunden habe. Und merkte irgendwann, dass ich da in eine Sackgasse gerate. Und als die Technologie soweit war, habe ich die Möglichkeit natürlich ergriffen.“

Die wiedergespiegelten Themen sind so vielseitig und vielschichtig wie die Kunst selbst. Politik, Alltag, Konsum, Lebenswelten, Anonymität oder banale Themen wie Häuser und Konzerte stellt er dar. Das Gemeinsame aller Arbeiten ist das Erhabene, die Distanz und die Ausmaße. Seine lange am Computer bearbeiteten Bilder geben die Wirklichkeit wieder und wiederum auch nicht.

Installationsansicht ANDREAS GURSKY - NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DŸsseldorf.
Installationsansicht
ANDREAS GURSKY – NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DüŸsseldorf.

Andreas Gursky gehört neben Candida Höfer, Thomas Struth, Wolfgang Tilmanns oder Axel Hütte zu den bekanntesten deutschen Fotografen. Er gehörte zu der sogenannten Düsseldorfer Photoschule, auch bekannt als Becher Schule. Bernd und Hilla Becher gehören zu den Wegbereitern der deutschen Dokumentarfotografie und prägten die Generationen nach ihnen. Deren Schüler erlangten häufig weiträumige und internationale Berühmtheit. Bekannt wurden die Bechers durch ihre neuartige Ästhetik der Industriefotografie. Beeinflusst wurden sie durch die Fotografie der Neuen Sachlichkeit des beginnenden 20. Jahrhunderts. Kriterien waren eine objektive fotografische Sichtweise und eine gewisse Distanz zu den Objekten. Charakteristisch war eine journalistische und dokumentarische Art der Aufnahme. Die Realität sollte sachgemäß ohne verschönernde Elemente wiedergegeben werden. Gursky studierte bei Prof. Becher von 1981 bis 1987 an der Düsseldorfer Akademie. Auch Gursky war einst Dokumentarist und in gewissem Sinne ist er es heute noch, denn seine Arbeiten dokumentieren unsere heutige Sichtweise, unsere heutige Gesellschaft und unser heutiges Tun in dieser Welt.

Der Anspruch die Wirklichkeit objektiv und wahrheitsgetreu darzustellen, kann nicht immer bestehen.

„Was mich schlussendlich interessiert, ist nicht, Wirklichkeit zu erfinden, sondern die Wirklichkeit an sich. Sie hervorzuheben, zu akzentuieren erscheint mir dabei legitim. Ich versuche dabei, kein Bild so aussehen zu lassen, als sei es bearbeitet worden (…) und doch war nichts so, wie es hier erscheint. Diese Bilder sind vollkommen künstlich.“

Installationsansicht ANDREAS GURSKY - NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DŸsseldorf.
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ANDREAS GURSKY – NICHT ABSTRAKT am 29.06. 2016 im K20, der Kunstsammlung des Landes NRW in DüŸsseldorf.

Auch Fotografie ist eine Form der künstlerischen Darstellung, auch wenn Sie das Medium ist, das es vermag, die Wirklichkeit am getreuesten wiederzugeben. Durch die digitale Bearbeitung kann hier aber viel verändert, erreicht und erzielt werden. So verschwimmen die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie immer mehr. Was wird uns wohl die Zukunft bringen? Andreas Gursky ist ein Beobachter oder vielmehr ein Dokumentarist unserer Gesellschaft und unserer Welt. Er will die Realität nicht so darstellen wie sie ist. Er verdichtet die Wirklichkeit indem er Einzelaufnahmen zu neuen Werken wieder zusammensetzt.

„In der Tat ist mein Zugriff auf die Welt phänomenologischer Natur. Ich bin an dem äußeren Erscheinungsbild der Welt interessiert, an ihrer haptischen Oberfläche, und behalte eine genaue Schilderung der Welt im Auge.“

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